Harvey war sein Name, er war ein Hase. Wer nicht weiss was das ist kann an dieser Stelle an das Playboy-Logo denken. Harvey ist ein Hase, den nur eine Person sehen kann. Er ist also ein imaginaerer Freund.

Waehrend meiner Jugend hatte ich eine imaginaere Freundschaft mit einem Autor. In der katholischen Schule lernte er, welche Buecher er nicht lesen darf. Das half ihm insofern weiter, dass er sie dann las. Denke nicht an ein weisses Kaninchen. Spaeter war er Redakteur beim Playboy. Beantwortete Leserbriefe fuer das Herrenmagazin und las viel kurioses. Besonders Verschwoerungstheorien ueber die bayerischen Illuminaten hatten ihn angefixt. Zusammen mit seinem Co-Redakteur Robert Shea arbeitete er an einer Satire ueber Verschwoerungen. Daraus wurde letztendlich die Illuminatus!-Triologie.

Der Puca ist sowas wie ein keltischer Volksgeist. Er tritt unter anderem als Hase in Erscheinung. Die Illuminatus!-Triologie wurde zum Kultklassiker. Wurde in viele Sprachen uebersetzt. Der deutsche Rowohlt-Verlag brachte sie in die BRD. Karl Koch war Autor einer linken Schuelerzeitung. Sein Vater war bei einer rechten Tageszeitung. Der Vater hielt “Illuminatus!” fuer ein harmloses Science Fiction-Buch und kaufte es Karl. Jedoch war Illuminatus! eine Satire auf Verschwoerungstheorien - geschrieben in einem Stil der beim geneigten Leser bewusstseinsveraendernde Zustaende erzeugen kann.

Was wir auch tun, wohin wir gehen
Die Illuminaten sind im System
Sie kontrollieren ueberall
Und 23 ist Ihre Zahl!
(Welle Erdball - 23)

Alle grossen Anarchisten starben an einem 23. So das Buch. Der junge Karl Koch entwickelte ein Obsession fuer das Buch und der Vater nahm es ihm schliesslich weg. Nachdem der Vater verstarb, geriet es wieder in Karls Haende. So die Legende, die im deutschen Kinofilm “23 - Nichts ist so wie es scheint” (1998) erzaehlt wird. Ich war damals fasziniert von einem Buch mit dem Titel “Der Hacker” und da es in dem Film um den KGB-Hack ging, schaute ich ihn mir im Kino an. Damals war ich 12.

Nach dem Film war ich angefixt von der 23 und Robert Anton Wilson. Karl Koch starb geschaetzt an einem 23.05. - seine Leiche wurde verbrannt im Wald aufgefunden und der Fall ist bisher ungeklaert. Man kann vermuten das der KGB dahinter steckte oder seine “Hackerkollegen” gegen die er vor Gericht aussagte. Aber das waere nur eine Verschwoerungstheorie.

Und mein imaginaerer Freund hatte mehr zu bieten als Verschwoerungstheorien. Illuminatus! war nur kurz in meinem Besitz in der kompletten Fassung. Nachdem ich Band 1 gelesen hatte, lieh ich es einem Freund aus und sah es nie wieder. Ich besass also nur Band 2 und 3. Als ich es Jahre spaeter an einem Wuehltisch entdeckte gab es wieder nur Band 2 und 3. Die verflixte 23.

Aber ich las weiterhin Buecher von diesem Wilson. Cosmic Trigger! fuehrte mich in neue Welten ein, ebenso Prometheus Rising. Seine Prosawerke Schroedinger's Katze und die Masken der Illuminaten waren ebenfalls brauchbarer Lesestoff. Spaeter las ich die Buecher auf englisch, wie beispielsweise Quantum Psychology.

Wilson war der Mentor, den ich nie hatte. Er fuehrte mich in die Kapelle der Gefahren und wieder hinaus. Er half mir verrueckt zu werden. Aber wie schrieb er mal? “Natuerlich bin ich verrueckt, aber das heisst nicht, dass ich falsch liege.” Ich hatte mal telepathischen Kontakt zu einer Ente. Denke nicht an Donald Duck. Denke nicht an Zeitungsente.

Wilson selbst hatte Kontakt zu Ausserirdischen aus dem Sternensystem des Hundsstern Sirius. Zumindest war das Teil seines Weltbildes. Doch spaeter glaubte er nicht mehr daran. Gibt es einen konstanten Robert Anton Wilson? Gerne zitierte Wilson Buckminster Fuller:

Ich lebe jetzt auf der Erde, aber ich weiss nicht was ich bin. Ich weiss dass ich keine Kategorie bin. Ich bin kein Ding - ein Substantiv. Ich scheine ein Verb zu sein, ein evolutionaerer Prozess - eine wesentliche Funktion des Universums.

Robert Anton Wilson waere am 18.Januar 2020 88 Jahre alt geworden.
5 Tage nach diesem Ehrentag an einem 23. ist dieser Text spontan entstanden.
Alles gute und “Lass die Lasagne weiterfliegen!”